Ausstellung in Büdelsdorf NordArt: Große Kunst in kleinem Ort

05. Juni 2011 | 16:10 Uhr | Von Jeanette Schiller, Schleswig-Holstein am Sonntag

büdelsdorf. Wer durch den beschaulichen Ort Büdelsdorf in Schleswig-Holstein fährt, vermutet nicht, dass das kleine Örtchen über vier Monate lang zu einer Metropole der ganz besonderen Art wird. In den Hallen und auf dem Gelände der ehemaligen Carlshütte, die zum Unternehmen ACO gehören, öffnet bis 2. Oktober 2011 die NordArt ihre Tore.

Das Angebot ist überraschend groß und vielfältig: von Malerei und Fotografie über Skulpturen und Installationen bis hin zu experimenteller und Videokunst ist alles dabei. Sowohl Werke von renommierten zeitgenössischen Künstlern als auch neueste Kunst-Tendenzen sind zu sehen. An vielen Stellen ergeben sich interessante Durchblicke, Einblicke und Überblicke auf die Kunstwerke, denn jedes einzelne Stück wurde in Verbindung zu seiner Umgebung überlegt platziert. Die Atmosphäre des zehn Hektar großen parkähnlichen Geländes und der Charme der alten Industriehallen erhöhen den Unterhaltungswert der Ausstellung.

Monumentale Großskulpturen

Beim Betreten des Parks fallen dem Besucher zunächst die monumentalen Großskulpturen ins Auge, darunter eine zwölf Meter hohe Arbeit des amerikanischen Künstlers Peter Lundberg. Das 60 Tonnen schwere Kunstwerk wurde vor Ort nach den Vorgaben des Künstlers aus Beton gegossen und mit Hubkränen aufgestellt. In einer riesigen glänzenden Lotusblüte aus Edelstahl spiegelt sich der Betrachter vielfach wider. Die Skulptur stammt von Zeng Chenggang, einem Kunstprofessor aus China und war auch schon bei der Expo in Shanghai zu sehen. Als internationaler Shooting-Star gilt der tschechische Künstler David Cerny. Seine Installationen sind an zahlreichen Plätzen der Welt zu bewundern. Nach Büdelsdorf hat der Künstler die Skulptur einer schwangeren Frau geschickt.

 

Die weitläufigen Industriehallen wurden in diesem Jahr geschickt durch Raum-Kuben unterteilt. So entstand mehr Platz zum Hängen der Kunstwerke und vielerorts eine private Atmosphäre. Speziell für die NordArt schuf Rene Schoemakers, der gerade den Lucas-Cranach-Preis erhalten hat, einen beeindruckenden Raum. In einem anderen Kubus überzeugen vier großformatige, farb- und ausdrucksstarke Ölbilder der Künstlerin Wiebke Kramer. Über 50 Meter weiße Leinwände reihen sich in einem anderen 5,50 Meter hohen Raum aneinander. Hier soll während der NordArt Europas größtes transportables Gemälde entstehen. Einige der ausstellenden Künstler sind aufgerufen daran mitzuwirken, später soll das Großkunstwerk auf Tournee gehen.

Viele Kunstwerke stehen zum Verkauf

Wer steckt hinter so viel Ideenreichtum und Kunst-Engagement? Offiziell ist die NordArt eine Initiative des Unternehmens ACO und der Städte Büdelsdorf und Rendsburg. Maßgebliche Motoren sind der Unternehmer Hans Julius Ahlmann, geschäftsführender Gesellschafter der ACO-Gruppe und der Künstler und Kulturmanager Wolfgang Gramm und sein Team. Aus ihrer Freude, Kunst ins Unternehmen zu holen, ist die Ausstellung seit 1993 stetig gewachsen. Heute ist die Schau über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. "Die Qualität spricht sich in der Kunst-Szene herum", so Gramm. Etwa 1200 Künstler aus 72 Ländern hatten sich in diesem Jahr mit ihren Arbeiten beworben. Die Mappen wurden an mehreren Wochenenden von einer Jury gesichtet. An der Auswahl waren neben dem Unternehmer Ahlmann und dem Ausstellungsleiter Gramm auch ein Vertreter des Landesmuseums Schleswig-Holstein sowie weitere Künstler beteiligt.

Die meisten der ausgestellten Kunstwerke stehen auch zum Verkauf. Die Preise reichen von mehreren hundert Euro bis zu einer halben Million Euro. Obwohl sich die NordArt nicht als Kunstmesse versteht, freuen sich die Organisatoren, wenn die Künstler ihre ausgestellten Werke auch vermarkten können.

In diesem Jahr nutzt erstmals auch das Schleswig-Holstein Festival an sieben Terminen die großzügigen räumlichen Möglichkeiten der Carlshütte. Bis September finden außerdem verschiedene Jazzkonzerte, Lesungen und ein Open-Air-Kino Filmfest statt. Zur Ausstellung erscheint ein aufwendig gestalteter Katalog.